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Diskussionsbeitrag No. 0191:
Name: Stefan Rau
E-Mail: srau3@gmx.de
Thema: Re: Kompetenzzentrum
Diesen Kommentar hatte ich Ihnen an anderer Stelle geschreiben: Ich bin selbst Förderschullehrer im GU und möchte zu den hier geschriebenen Kommentaren folgendes anmerken: Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf brauchen sicher Schonräume, Nachteilsausgleiche usw., was sie aber sicher nicht brauchen, ist eine ''Schonraumfalle''.
Was ist hiermit gemeint?
Es stellt sich doch die Frage, worauf Schule die Schüler vorbereiten soll. Auf das Leben vorbereiten soll die Schule - na das kann sie gültig aber nur dann, wenn in ihr das ''Leben'' in allen Facetten vorkommt.
Unser angeblich ''begabungsgerechtes dreigliedrige Schulsystem sorgt jedoch dafür, dass Kinder und Jugendliche eben nur einen kleinen Ausschnitt von Lebenswirklichkeiten erfahren. Bedingt durch den Ganztagsausbau von Schulen, wird dieses Problem noch einmal verschärft. Selbstredend ist der Ganztagsausbau an unseren Schulen nötig, aber bitte an einer Schule, die den Bwohnern des Stadtteils entspricht - die frei von einer künstlichen Selektion ist.
Die Gymnasiasten haben eben fast ausschließlich Umgang mit Gymnasiasten, Hauptschüler mit Hauptschülern, Förderschüler mit Förderschülern. Ach ja, wo findet sich die Förderschule eigentlich im ''dreigliedrigen Schulsystem'' wieder? Gar nicht, denn die Förderschule hat länger schon die Funktion übernommen, dass die Dreigieidrigkeit aufrecht erhalten werden kann. Jede der drei Schulformen hat die Möglichkeit, Schüler, die nicht ins System passen, abzuschulen. Nein, solange es Förderschulen gibt, kann inklusives Denken in unserer Gesellschaft, wie sie sich uns derzeit darstellt, nicht wachsen, da die Kinder und Jugendlichen in der wichtigen, prägenden Schulzeit eben keine Erfahrungen mit ''besonderen Mitmenschen'' machen können. Sie kommen eben einfach nicht in ihrem Alltaagserleben vor. Besonders plastisch wird dies dann, wenn Urlauber von entgangenen Urlaubsfreuden sprechen, wenn sie behinderte Essensnachbarn im Speisesaal ''ertragen'' mussten. Gleiches gilt natürlich im gleichen Maße für die besonderen Kinder, die, wenn sie keine Gesschwister haben, auch nur einen eingeschränkten Erfahrungshorizont haben. Gerade eine Lernbehinderung entstammt einem Behinderungsbegriff, den ausschließlich die Schule kennt, d.h. für des Kind der LB-Schule kommt der Tag, an dem sie sich auch außerhalb des Schonraums oreintieren müssen. In einem anderen Kommentar wurde bereits auf Südtirol als ein gelungenes Beispiel für Inklusion hingewiesen. Nach 10 Jahren Förderschule bin ich bewusst in den GU gewechselt und habe hier zumeist für alle Beteiligten gute Erfahrungen machen können. Auch liegen zwischenzeitlich einige wissenschaftlichen Studien vor, die gerade für Lernbehinderte zu dem Schluss kommen, dass diese im Rahmen von GU besser als in der Förderschule gefördert werden konnten. Ausschließlich im Bereich Selbstbild schnitten sie etwas ungünstiger als Förderschüler ab. In jedem Fall aber haben sie sicher mehr an Rüstzeug für das Leben mitbekommen, als dies im Schonraum möglich gewesen wäre. Dieses Problem läßt sich m.E. aber nur dann lösen, wenn Inklusion endlich gelebte Normalität wird, wenn flächendeckend erkannt wird, dass leistungsheterogene Klassen günstigere Lernbedingungen ermöglichen als ein Konstrukt von leistungshomogenen Klassen, in denen der Einzelne immer dann, wenn er aus der Norm fällt, angedroht bekommt, abgeschult zu werden. Zuletzt noch der Hinweis, es gibt durchaus Elternvereine, die sich mit dem GU auseinander setzen. Beispielhaft sei hier der Verein Gemeinsam leben - gemeinsam lernen genannt.
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