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Nachricht No. 162 von Donnerstag, 23. November 2006:

Monitor Sendung

Eine seltsame Beschreibung

Die Sendung MONITOR hat einen Beitrag zur angeblichen Situation an den Förderschulen gebracht, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

MONITOR Nr. 555 am 16. November 2006

Willkommen in der Sackgasse -Warum so viele Kinder von
Zuwanderern auf der Sonderschule landen

Bericht: Gregor Popp, Isabel Schayani


Sonia Mikich: ''Sind Ausländerkinder dumm? Oder werden sie dumm
gemacht? Klingt gemein, liebe Zuschauer, aber jetzt sehen Sie die
Geschichte der Sonderschülerin Naomi. Kein Einzelfall, wie Isabel
Schayani und Gregor Popp zeigen. Und das ist wirklich gemein!''

Sie schreibt zügig, fast ohne Fehler. Naomi ist 13 Jahre, aufgeweckt
und na klar, mitten in der Pubertät. In die 8. Klasse einer Sonderschule
für Lernbehinderte geht sie. Neuerdings wird die Schule eleganter mit
''Förderschule'' umschrieben. Naomi soll lernbehindert sein.

Reporterin: ''Und wie viel Sprachen kannst du?
''
Naomi: ''Eigentlich drei.
''
Reporterin: ''Und welche sind das?
''
Naomi: ''Also Französisch, meine Muttersprache und Deutsch. Englisch


kann ich nur ein bisschen.
''
Reporterin: ''Und hilft dir das in der Sonderschule?
''
Naomi: ''Was?
''
Reporterin: ''Dass du so viel Sprachen kannst!
''
Naomi: ''Wen interessiert das da? Gar keinen!
''
Französisch, Kongolesisch und Deutsch. Auf der Sonderschule soll sie


besonders gefördert werden. Doch ein psychologisches Gutachten vom
Sommer rät etwas ganz anderes. Naomi gehört auf eine Hauptschule,
nicht auf die Sonderschule.

Zitat (Quelle: Dr. F. Müller, Köln): ''Ein weiterer Verbleib
auf der Sonderschule wird aus unserer Sicht das Wohl
des Kindes weiter schädigen.''

Im Klartext: Sie soll von der Schule runter. Ihr Gutachter erstellt seit
Jahren solche Expertisen und erlebt verdächtig oft das gleiche.

Dr. Frank Müller, Kinder-und Jugendpsychiater: ''Naomi ist in dieser
Hinsicht kein Einzelfall. Wir haben oft ... das Problem bei
Migrantenkindern, dass bei diesen Patienten die psychische Situation
zu wenig berücksichtigt wird.''


Überproportional viele Kinder von Einwanderern gehen auf die
Sonderschule für Lernbehinderte. Und es werden mehr. ''Lernbehindert''
ist ein schwammiger Begriff, mit dem man in Deutschland über 200.000
Schüler ''besonders fördert''. In kleinen Klassen, auf niedrigem
Lernniveau. Naomi zeigt uns, was sie in diesem Schuljahr in Mathe
durchgenommen hat:

Naomi: ''Achthundert geteilt durch zwei. Das mein' ich, das macht man
in der dritten Klasse, aber nicht in der achten Klasse. Oder solche
Aufgaben. Ich mein', das sind alles einfache Aufgaben. Für mich
eigentlich ist das nicht geeignet, weil ich kann diese Aufgaben.''

Achthundert geteilt durch zwei. Vormittags ist Naomi öfter unterfordert.
Nachmittags loggt sie sich dann in ihre Welt ein und chattet mit ihren
Klassenkameraden. Fast keiner von ihnen ist deutsch. Ausländerkinder
sind an der Sonderschule für Lernbehinderte deutlich überrepräsentiert.
Ihr Anteil ist doppelt so hoch, wie der der Deutschen, gemessen an
allen Schülern. Wie kann das sein? Sind ausländische Kinder einfach
dümmer? Magna Becker kennt die Zahlen. Sie ist als
Schulamtsdirektorin in Köln für alle Sonderschulen der Stadt zuständig.

Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: ''Ich kann nicht
wirklich begründen, warum mehr Kinder mit Migrationshintergrund an
der ''Förderschule Lernen'' sind als Kinder mit Deutsch als Erstsprache.''

Reporterin: ''Das ist ja bisschen wenig.''

Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: ''Ja. Das ist sicher
richtig, aber wo soll ich diese Erklärung hernehmen? Aus den einzelnen
Gutachten kann ich es nicht bestimmen.''

Es gibt durchaus Erklärungen, warum Kinder wie Naomi, und seit dem
Sommer auch ihr kleiner Bruder, so schnell auf der Sonderschule
landen. Die letzte Bundesregierung nennt einen, ganz unumwunden:

Zitat (Quelle: Ausländerbericht 2005): ''Mangelnde und
fehlende Deutschkenntnisse werden häufig zu generellen
Lernschwierigkeiten umdefiniert ...''

Aus gesund mach krank. Außerdem hat nicht jeder Lehrer Zeit, sich
auch noch um die Probleme zu Hause zu kümmern. Und dann landen
die Kinder ganz fix auf der Sonderschule. Nur, Naomis IQ ist eben
durchschnittlich hoch und der Gutachter empfiehlt heute, dass sie auf
die Regelschule gehört. Aber was macht die Schulbehörde? Sie lässt
testen, ob Naomi nicht besser auf eine andere Form der Sonderschule
wechseln sollte und zwar auf eine für Erziehungsschwierige, die so
genannte ''E-Schule''.


Dr. Frank Müller, Kinder-und Jugendpsychiater: ''Das ist insofern
verwunderlich, weil die E-Schule eine Schule für erziehungsschwierige
Kinder ist, also mit Verhaltensstörungen, Sozialverhaltensstörungen,
Dissozialität, das hier aus meiner Sicht nicht gegeben ist.''


Naomi: ''Die meisten Kinder, sage ich jetzt wirklich, die meisten Kinder
aus der Schule, die sind nicht dumm. Es gab bestimmt schon mal in der
Grundschule ein paar Schwierigkeiten, die die hatten, aber ... anstatt
dass man den Kindern zum Beispiel Nachhilfe zu geben, damit die das
mal ein bisschen lernen, bei denen direkt: Sonderschule! Ab in der
Sonderschule, das ist das Beste für dich!''

In die Sackgasse gefördert. Wer einmal auf der Sonderschule ist, bleibt
auch da. Nur 1,45 Prozent schaffen es, wieder auf eine Regelschule zu
wechseln. Also fast niemand. Was kommt nach der Schule? Naomi erkundigt sich beim Arbeitsamt.

Naomi: ''Hallo, ich habe mal 'ne Frage. Wenn man einen
Sonderschulabschluss hat, wohin muss man dann gehen?''

Angestellte beim Arbeitsamt: ''Ja, es ist so, dass wir Berufsberater
haben, die für diesen Bereich zuständig sind. Das sind extra
Berufsberater, die sich auf Rehabilitanten spezialisiert ...''

Kurze Übersetzung: Rehabilitanten sind behinderte Menschen, die
anders behandelt werden sollen, damit sie eine Chance haben. Erst
werden die Kinder selektiert, dann etikettiert und als junge Menschen
wieder rehabilitiert. Das ist das Ergebnis der ''Förderung''. Gleiche
Chancen für Einwandererkinder wie Naomi? Vielleicht in der Theorie.

Reporterin: ''Was fällt Ihnen denn zu dem hehren Begriff
Chancengleichheit ein?''

Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: '' ... Tja ...
Chancengleichheit für wen? Unter welchen Bedingungen? Sicherlich ist
es so, dass ... Chancengleichheit für verschiedene
Bevölkerungsgruppen nur schwer herzustellen ist.''


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