Das Aktionsbündnis Schule besteht zwei Jahre. Es ist ein Zusammenschluss der Elternorganisationen und 5 Lehrerverbänden im gegliederten Schulwesen. LERNEN FÖRDERN ist dabei.
Zwei Jahre Aktionsbündnis Schule: Zukunftsmodell einer Bildungspartnerschaft
Interview mit dem Sprecher des Aktionsbündnisses Schule Peter Silbernagel
Frage: Das Aktionsbündnis Schule feiert sein 2-jähriges Bestehen. Ungewöhnlich, zumal die Gründung eigentlich aus Protest gegen die Schulgesetzpläne der damaligen Landesregierung erfolgte!
Silbernagel: Nicht nur ungewöhnlich, eher außergewöhnlich! Im Januar 2005 schlossen sich 16 schul- und hochschulpolitische Organisationen zusammen, darunter allein 5 Elternorganisationen sowie 5 Lehrerverbände – eine gelungene Kooperation, die mit erstaunlicher Geschlossenheit auftritt, vielleicht so etwas wie ein Zukunftsmodell einer gelebten Bildungspartnerschaft!
Der Unmut und die Verärgerung über die Absichten der damaligen Landesregierung führten zu diesem Zusammenschluss. Alle Beteiligten waren sich darin einig, nicht zuzulassen, dass über den Zusammenschluss bestehender Schulen zu Verbundschulen die Schulformstruktur ausgehöhlt wird und eine schulformübergreifend arbeitende Schulaufsicht die Schulqualität in Nordrhein-Westfalen nachhaltig beschädigt. Die Diskussionen in den Oppositionsparteien machen deutlich, dass das Thema aktueller denn je ist.
Frage: Lohnte sich der Einsatz?
Silbernagel: Unsere Bilanz ist beachtlich. Die Pläne der Rot-Grünen-Landesregierung wurden vereitelt. Während des Landtagswahlkampfes 2005 fanden ca. 50 Aktionen, Demonstrationen und Podiumsdiskussionen unter Mitwirkung von Teilnehmern des Aktionsbündnisses Schule statt. Eine Folge davon war, dass Schulpolitik zu einem zentralen Wahlkampfthema wurde. Es war beispielsweise bemerkenswert zu erleben, wie dank einer lebhaften und intensiven Aufklärungsarbeit die Unterstützung für eine schulformbezogene Schulaufsicht stetig zunahm.
Das Aktionsbündnis arbeitet auch deshalb so effektiv, weil alle Teilnehmer Schulqualitätsfragen ins Zentrum ihrer schulpolitischen Beurteilung stellen. Orientierung sämtlicher Veränderungen sind für uns nicht ideologietheoretische Fragen, sondern schulpraktische Antworten, die sich an dem Machbaren ausrichten und dem Wohl der Schülerinnen und Schüler dienen.
Frage: Wie sehen ihre Perspektiven aus?
Silbernagel: Die positiven Erfahrungen und konkreten Erfolge provozieren uns geradezu, weiterhin für ein gutes Schulsystem zu streiten. Reformaktionismus und ein „Kurzzeitgedächtnis“ führen in der Schulpolitik dazu, dass nichts automatisch auf Dauer gesichert ist. Es bleibt unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass in der konkreten Umsetzung des Schulgesetzes Schulformvielfalt gewährleistet bleibt. Und wenn auch die schulformbezogene Aufsicht im Gesetz festgeschrieben ist, so droht der traditionellen Schulaufsicht nicht zuletzt wegen der Umsetzung von Personal in die Qualitätsagenturen eine personelle Ausdünnung. Zudem führen Aufgabenverlagerungen und –übertragungen auf die Eigenverantwortliche Schule zu einem neuen Rollenverständnis der originären Aufsicht.
Vor wenigen Wochen hat das Aktionsbündnis seine Erwartungen zur Reform der Lehrerausbildung formuliert. Konstruktiv – kritisch werden wir nach wie vor die Eckdaten der Schulpolitik beurteilen, das Machbare herausstellen und uns für das Notwendige stark machen. Die zurückliegenden zwei Jahre machen Mut. Aber sie verpflichten auch!
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