''Einschränkung der Schulformvielfalt provoziert in Berlin ein Losverfahren für Gymnasien.'' so lautet eine Pressemitteilung des Aktionsbündnis Schule, an dem auch der Landesverband beteiligt ist. Wir veröffentlichen darum gerne die vollständige Mitteilung.
Die Folgen der Ausdünnung von Schulformangeboten von Eltern werden jetzt in Berlin deutlich sichtbar. Dort sieht die Schulreform künftig nur noch zwei weiterführende Schultypen vor: die Sekundarschule und das Gymnasium. Der Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) fürchtet nun, die Gymnasien könnten zu viele Anmeldungen erhalten. Daher rät er den Schulleiterinnen und Schulleitern, bei einer übergroßen Anmeldezahl 50% der Schülerinnen und Schüler selbst auszuwählen und die andere Hälfte per Losentscheid zu ermitteln.
Das Aktionsbündnis Schule, in dem 16 schulische, außerschulische und hochschulpolitische Organisationen organisiert sind, hält diesen Vorschlag für absolut unpädagogisch und leistungsfeindlich. Nachdem man die Elternwahlfreiheit massiv beschnitten hat, wird mit diesem Verfahren nun sogar in einem zweiten Schritt die Schullaufbahn nicht nach Leistungskriterien, sondern nach dem Zufallsprinzip entschieden. Man sieht an diesem Vorgehen, dass manche Schulpolitiker die Folgen tiefer struktureller Einschnitte im Vorfeld totschweigen. Man stellt mit Erschrecken fest, wie unsensibel und völlig gleichgültig mancher Schulpolitiker bereit ist, die Schülerströme zentral zu lenken.
Nicht nur die monatelangen Diskussionen um die Schulstrukturen in Hamburg sondern gleichermaßen die heftigen Debatten in Berlin zeigen, dass sich die Eltern mit dieser bevormundenden Schulpolitik nicht abfinden werden. IN Nordrhein-Westfalen rät das Aktionsbündnis Schule, die Pläne nicht weiterzuverfolgen, das vielgliedrige Schulsystem mit Gesamtschulen, Förderschulen,Gymnasien,Hauptschulen und Realschulen zu Gunsten einer Einheitsschule mit dem Namen ''Gemeinschaftsschule'' oder ''Reformschule'' abzuschaffen. Je weniger das staatliche Schulsystem den Eltern, Schülerinnen und Schülern Freiheiten ermöglicht, um so mehr wird sich neben dem öffentlichen Schulsystem ein privat finanziertes Ersatzschulsystem etablieren.
''Die Berliner und Hamburger Schulpolitik macht deutlich, dass es vielen Schulideologen um Einheitsstrukturen und nicht um die Kinder geht. Hier empfiehlt man den Gymnasien ein fragwürdiges Lostrommel-Aufnahmeverfahren. Dort untersagt man den Schülerinnen und Schülern dieser Schulform, zu einem späteren Zeitpunkt die Schulform noch einmal wechseln zu können. Das Gemeinsame der Diskussionsbeiträge liegt im Abschreckungseffekt, den die Gegner des gegliederten Schulsystems damit verfolgen. Glaubwürdig ist diese Form der Schulpolitik schon lange nicht mehr. In Nordrhein-Westfalen wird das Aktionsbündnis Schule einen solchen schulpolitischen Zynismus nicht akzeptieren'', so Peter Silbernagel, Sprecher des Aktionsbündnisses Schule.
Düsseldorf, 04. Juni 2009
gez. Peter Silbernagel Sprecher des Aktionsbümdnisses Schule
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